Von TEGEL nach TEOTIHUACÁN

Steine, Insekten, Pflanzen, im Park des Familienanwesens in Tegel bei Berlin findet der kleine Alexander von Humboldt, was seinen kindlichen Wissensdrang zwar beschäftigt, aber lange noch nicht genügt. “Ich hatte seit meiner ersten Jugend den glühenden Wunsch nach einer Reise in entfernte und von Europäern wenig besuchte Länder”, wird er rückblickend von sich sagen. Bis er seine ersehnte amerikanische Reise antreten kann, wird er noch manchen Stein auf seinem Weg beiseite räumen müssen. Und wie im Märchen werden aus den mannigfaltigen Hindernissen letztendlich Trittsteine, die das Glückskind Alexander seinem Traum einen Schritt näher bringen.

Aber vielleicht ist es nur seine unglaubliche Gelassenheit, die Alexander so flexibel auf die großen und kleinen Wechselfälle des Lebens reagieren lässt. Und so steht er eines Tages auf der Sonnenpyramide von Teotihuacán in Mexiko … Wir widmen diesen Beitrag dem großen Forscher, der vor 250 Jahren das Licht der Welt erblickte und vor 220 Jahren zu seiner berühmten Reise aufbrach.

Keine graue Theorie, sondern des Lebens grüne Bäume

Ob Text oder Illustration – Humboldts amerikanische Reise frisch und saftig

Ob Text oder Illustration – Humboldts amerikanische Reise frisch und saftig

“Bei allem Reichtum und aller Biegsamkeit unserer vaterländischen Sprache ist es ein schwieriges Unternehmen, was eigentlich nur der nachahmenden Kunst des Malers darzustellen geziemt” – Mit diesen Worten bekennt Alexander von Humboldt die Schwierigkeit, seine amerikanische Reise mit all ihren aufregenden Erlebnissen und überwältigenden Eindrücken einem Publikum von Zuhörern und Lesern zu vermitteln. Die nachahmende Kunst des Malers zu üben fällt im Buch “Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne” der Illustratorin Claudia Lieb zu und sie kommt ihrer Aufgabe mit träumerischer Sicherheit nach. Ob der junge Bergassessor Humboldt dreckverschmiert und mit Grubenlampe aus dem Stollen dem Leser entgegenkriecht oder ob der Forschungsreisende Humboldt unter Urwaldbäumen mit Äffchen auf der Schulter posiert – das wirkt unmittelbar und frisch, spricht zum Betrachter.

Die amerikanische Reise: Eine Expedition zu fremden Tieren

Alexander von Humboldt ist der erste, der die verschiedenen Lebensräume mit ihren Tieren und Pflanzen in einen Zusammenhang setzt.

Alexander von Humboldt ist der erste, der die verschiedenen Lebensräume mit ihren Tieren und Pflanzen in einen Zusammenhang setzt

Manche Kinder- und Jugendbücher mit informativem Anspruch machen den Fehler, die Seiten mit allem Erdenklichen zu illustrieren, damit nur ja alles drauf ist. Claudia Lieb dagegen zeigt das Wesen der unterschiedlichen Lebensräume, ihre exotische Tierwelt, ihre farbenprächtigen Pflanzen in Bildern, von denen man am liebsten jedes einzelne rahmen und an die Wand hängen möchte. In der gleichen ruhig überlegten Weise schreibt Volker Mehnert für die jungen Leser. Dabei hebt er zentrale Begriffe aus dem Darstellungstext mit zusätzlichen Erklärungen am Seitenrand hervor. So erfahren wir Näheres z. B. über den Lebensraum der Tropen, die Funktion der Passatwinde für die Seefahrt und die Ausdehnung des spanischen Kolonialreiches.

Von Goldäpfeln, Paradiesfeigen und Götterfrüchten

Ob indigen oder eingewandert – der farbenprächtige botanische Reichtum der Neuen Welt entzückt Alexander von Humboldt.

Ob indigen oder eingewandert – der farbenprächtige botanische Reichtum der Neuen Welt entzückt Alexander von Humboldt

In den Tropen, mitten im Gebiet des heutigen Ecuador, hat Alexander von Humboldt gemeinsam mit seinem Reisegefährten, dem französischen Botaniker Aimé Bonpland, seine Ideen über die Geografie der Pflanzen niedergeschrieben. Zwar sind zum Zeitpunkt seiner Reise viele Pflanzen des amerikanischen Kontinents, insbesondere die Kulturpflanzen wie die Kartoffel, der Mais oder die Tomate, längst auch in Europa bekannt, doch ist die Sortenvielfalt an den ursprünglichen Standorten für den Forscher völlig überraschend. Und abseits des rein botanischen Interesses: Was für ein Geschmack, was für Farben, was für ein Duft!

amerikanische Reise durch die Kakteen-Steppe der Llanos

Sieht karg aus, aber die stacheligen Sukkulenten haben es in sich. Und irgendwo ist noch ein kleiner Humboldt versteckt

Sieht karg aus, aber die stacheligen Sukkulenten haben es in sich. Und irgendwo ist noch ein kleiner Humboldt versteckt …

Früh hat Alexander von Humboldt den Kompass für sein Leben gefunden: mehr sehen, mehr verstehen, mehr wissen. Und das alles nicht für eine ich-bezogene Bildungshuberei, sondern um seine Erfahrungen einem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Er tut dies mit einer Beständigkeit und Konsequenz, die ihn zu einer einzigartigen Forscherpersönlichkeit machen.

Das Buch “Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne” von Volker Mehnert, erschienen im Gerstenberg Verlag, ist ein Gegenentwurf zur modernen Explorer-Literatur, wo es oft hektisch und grell zugeht. Umso mehr wird es seinem Helden gerecht und nicht zuletzt den jugendlichen Lesern, für die es gedacht ist.

TROUBLE UNDERSTANDING GERMAN? JUST VISIT DEEPL AND YOU’RE DONE!

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