AUFGEGABELT! Die schönsten PASTA POSTER zum Welt-Pasta-Tag
Pasta machen ist eine Kunst, sie „al dente“ zuzubereiten ebenfalls. In einem grandiosen Bildband wandern Spaghetti, Makkaroni & Co. vom Teller an die Wand – auch das ist große Kunst! Der Münchner Designhistoriker Linus Rapp hat weltweit die schönsten PASTA POSTER aufgegabelt: von der Jugendstil-Reklame über Barilla-Klassiker bis hin zu aktuellen Kampagnen im Vintage-Stil. Zum heutigen WELT-PASTA-TAG haben wir mit dem Autor über seine erste Poster-Liebe gesprochen, das Pasta-Lebensgefühl und über die Zukunft der Nudelreklame …
POSTER-BOY DER PASTA-WERBUNG: EIN INTERVIEW MIT LINUS RAPP
MILAN Magazine: Sie sind Designhistoriker, Kurator und leidenschaftlicher Pasta-Fan. Wie kamen Sie auf die Idee, der Nudelreklame ein ganzes Buch zu widmen? Gab es ein Schlüsselerlebnis oder ein erstes Plakat, das Sie in den Bann gezogen hat?
Linus Rapp: Vor ein paar Jahren bin ich zufällig auf ein historisches Plakat von Barilla gestoßen: Es war ganz schlicht und sehr ästhetisch gestaltet: Eine Handvoll Pasta, die locker über einem blauen Grund verteilt war. Im Hintergrund waren Löffel und Gabel zu sehen. Ich fand es großartig gestaltet, denn es hat meine großen Leidenschaften zusammengebracht: die für Grafik und die für Pasta. Das war also sofort ein Match!
MM: Ihr Buch nimmt uns mit auf eine Zeitreise durch rund 130 Jahre „Pasta und Plakat“. Wie hat sich die Bildsprache der Pasta-Werbung über die Jahrzehnte hinweg verändert?

Pasta-Dinner im Stil des Art déco von Leonetto Cappiello für die Pastafabrik Pastas Alimenticias Francisco Garriga, 1923 © CCO
LR: Da hat sich einiges verändert! In den Plakaten spiegeln sich oft die Themen wider, die in ihrer jeweiligen Zeit wichtig waren. Viele der alten Plakate zeigen zum Beispiel Eier und Hennen. Damit wollte man zeigen, dass die Nudeln aus guten Zutaten bestehen und ein vollwertiges Nahrungsmittel sind. Auch Kinder sind häufig zu sehen: Potenzielle Käufer sollen denken: Da ist etwas Gutes auch für mein Kind drin!
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Art, wie wir essen, grundlegend: Lebensmittel und Landwirtschaft wurden industriell betrieben, die Preise sanken und die Menschen hatten ungeahnte Möglichkeiten. In der Werbung ging es fortan weniger ums Sattwerden als vielmehr um ein Lebensgefühl. Viele Plakate zeigen gemeinsame Mahlzeiten, appetitlich angerichtete Teller oder Motive, die wir mit Italien in Verbindung bringen. Gerade die venezianischen Gondeln oder die Bucht von Neapel mit dem Vesuv im Hintergrund wurden gerne abgedruckt. Daran hat sich bis heute wenig geändert: Viele Leute setzen Italien mit Pasta gleich, und so ist das Land bis heute ein beliebtes Motiv geblieben. Wer Pasta isst, so die Botschaft der Werbung, kann italienische Momente auch zuhause erleben …

Wer Pasta kauft, der kauft sich einen italienischen Moment: Ein Plakat im Vintage-Stil illustriert von Lucia Gaggiotti aus dem Jahr 2020 © Lucia Gaggiotti
LR: Nicht nur die Motive haben sich im Laufe der Zeit verändert, sondern auch die Gestaltung der Plakate: Lange Zeit wurden sie handgemalt, seit den 1960er Jahren kommen Fotografien zum Einsatz, und heute gibt es Beispiele von Plakaten, die Grafikdesigner am PC entworfen haben. So erzählen Plakate nicht nur von den Themen ihrer Zeit, sondern auch darüber, welche technischen Möglichkeiten Gestaltern zur Verfügung stehen.
MM: Gibt es eine Epoche oder einen bestimmten Designer, dessen Bildsprache Sie besonders fasziniert?

Simpel, aber humorvoll: Das Nudelmännchen von Raymond Savignac für Agnesi aus dem Jahr 1965, Privatbesitz
LR: Ich liebe die Plakate aus den 1950er Jahren und ganz besonders die von Erberto Carboni, der damals für Barilla gearbeitet hat. Er hatte ein gutes Gespür für Farben und Storytelling, gleichzeitig waren seine Plakate nie überfrachtet und in einer besonderen Klarheit gestaltet. Damit hat er in der Geschichte des italienischen Kommunikationsdesigns Maßstäbe gesetzt. Aber auch von den aktuellen Beispielen gibt es welche, die mir sofort zugesagt haben. Die Serie von Lucia Gaggiotti für Rummo zum Beispiel hat mir sofort gefallen: Da gibt es das Motiv einer Pasta (einem Fusilione) auf einem Sockel, so wie man es von Skulpturen kennt. Links daneben steht ein Guide, der seiner Zuhörerschaft die Nudel erklärt. Wie ein Reiseführer in der Accademia in Florenz, wo der David von Michelangelo untergekommen ist. Eine fantastische Idee und gleichzeitig hat sie die Nudel damit zum Kunstwerk gemacht.

Dr. Linus Rapp führt durch die Ausstellung „al dente. Pasta & Design“ im HfG-Archiv Ulm © Alina Kruglova
MM: Sind Sie für Ihr Buch auch ins Land der Pasta gereist? Wo überall haben Sie recherchiert?
LR: Vor ein paar Jahren habe ich an einer Pasta-Ausstellung gearbeitet, die damals in Ulm gezeigt wurde und ab November in Leipzig im Grassi Museum zu sehen ist. Für diesen Job war ich tatsächlich auch in Italien, habe dort u. a. das Pasta-Museum in Parma besucht und einen Tagliatelle-Workshop in Bologna gemacht. Die Suche für das neue Buch lief aber vor allem über das Internet: Ich habe Firmen, Museen, Archive und Designer aus unzähligen Ländern angeschrieben. Ein paar echte Entdeckungen habe ich im Musée des Arts Décoratifs in Paris, in der Sammlung Salce in Treviso und in der Plakatsammlung der Schule für Gestaltung Basel gemacht, die mich dann auch mit ihren Reprodaten unterstützt haben.

Von wegen Hundewurst: Auch Waldi will Pasta! Ein Plakat von Siegmund von Suchodolski für die Gebrüder Scheurer, um 1910 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Reklamekunst, Foto: Julia Krüger. Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International (CCBY 4.0)
MM: Wie schwierig war es, die historischen Werbeschätze aufzuspüren?
LR: Ehrlich gesagt, war es oft gar nicht so einfach. Viele der angeschriebenen Firmen haben mir leider nie geantwortet oder aber sie wussten dort selbst nicht weiter. Ich glaube, manche Teigwarenhersteller waren auf meine doch sehr spezifische Anfrage nicht vorbereitet. Und manchmal habe ich auch tolle Plakate finden können, aber die Reproduktion war nicht möglich, zum Beispiel weil oft keine geeigneten Repro-Geräte zur Verfügung stehen oder weil der Zustand des Plakats heikel war. Am Ende musste man einfach geduldig sein und offen bleiben für das, was mir angeboten wurde und daraus auswählen.

Der ikonische Susi & Strolch Spaghetti-Kuss aufgegriffen von der Werbeagentur Ogilvy Greece, illustriert vom Athener Designstudio till noon für Knorr, 2025 © till noon
MM: Was hat Sie bei Ihrer Recherche am meisten überrascht? Gab es eine besonders kuriose Entdeckung oder ein Motiv, das Sie zum Schmunzeln gebracht hat?
LR: Im Zeitraum 1930 bis 1950 entstanden „Nudelmännchen“. Man hat die Nudeln zu menschenähnlichen Figuren gelegt und ihnen Leben eingehaucht. Das ist teilweise total absurd und völlig albern, wie die Plakate auf denen ein „Nudelpaar“ auf einer Parkbank oder ein „Nudelritter“ abgebildet sind.
MM: In Ihrem Buch schreiben Sie, dass gerade im Zeitalter perfekter KI-generierter Ästhetik die Begeisterung für handwerklich Gemachtes wächst. Wie färbt sich dieser Trend auf die Gestaltung der Pasta-Plakate ab?
LR: Schauen wir zum Beispiel die gestalterische Handschrift von Lucia Gaggiotti oder Nicola Ferrarese an: Hier zählt nicht die ästhetische Perfektion, sondern der einzigartige Einfall und der persönliche Stil der Designer. Die Plakate wirken sofort sympathisch, haben hohen Wiedererkennungswert und überraschen mit ihrer Kreativität. Das kann die KI natürlich nicht …

Nostalgie kommt an: Ein zeitgenössisches Plakat von Nicola Ferrarese im Vintage-Stil, Antico Pastificio Scarpetta, 2021 © Nicola Ferrarese
MM: Große Pasta-Konzerne setzen heutzutage verstärkt auf Influencer-Marketing. Hat das Plakat in Zeiten von Social Media noch eine Zukunft?
LR: Auf jeden Fall! Influencer-Marketing und Plakate erreichen Menschen auf unterschiedlichen Wegen. Plakate begegnen uns im Alltag: an Bushaltestellen, in Bahnhöfen oder auf der Straße. Sie prägen unseren öffentlichen Raum und machen Marken sichtbar, wenn wir unterwegs sind. Da wir alle früher oder später auf die Straße gehen, werden wir dort mit ihnen konfrontiert – ganz unabhängig vom Smartphone. Und ehrlich gesagt: Ich finde Plakate ein tolles, analoges Medium. Die Aufgabe eines Plakats ist immer gleich, aber es gibt unendlich viele Möglichkeiten es zu gestalten.
MM: Und zum Schluss: Welches Motiv aus Ihrem Buch würden Sie sich in Ihre Küche hängen – und welches Pasta-Gericht würden Sie passend dazu servieren?
LR: Wenig überraschend hängt das eingangs beschriebene Barilla-Plakat von Erberto Carboni in meiner Küche über dem Esstisch. Was zum Carboni passen könnte? Am besten etwas, das in seiner Einfachheit besticht und trotzdem in seinem Genuss völlig einzigartig ist. Wie wäre es zum Beispiel mit frisch gemachten Tagliolini al limone?
MM: Fantastico! Da würden wir uns gerne dazu setzen. Vielen Dank für das Interview, Herr Rapp!
PASTA FÜRS AUGE:
DER BILDBAND ZUM WELT-PASTA-TAG
Ein Bildband, der ebenso glücklich macht, wie unser liebstes Soulfood. Und das nicht nur zum Welt-Pasta-Tag! Wer Pasta und Plakatkunst liebt, der wird seine Freude daran haben, in die kuriose Welt der Pasta-Werbung einzutauchen: PASTA POSTER – NUDELREKLAME VON 1900 BIS HEUTE ist im Münchner PRESTEL VERLAG erschienen.
TROUBLE UNDERSTANDING GERMAN? JUST VISIT DEEPL AND YOU’RE DONE!
Featured Image by © Parma, Archivio Storico Barilla; Second Image by © Linus Rapp/Private; Third Image by © CCO; Fourth Image by © Lucia Gaggiotti; Fifth Image: Private Property; Sixth Image by © Alina Kruglova; Seventh Image by © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Reklamekunst, Foto: Julia Krüger. Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International (CCBY 4.0); Eighth Image by © till noon; Ninth Image by © Nicola Ferrarese; Tenth Image (Book Cover) by © Prestel Verlag. All Rights Reserved


