BAUHAUS, Leben in der Geometrie

Beim Namen „Bauhaus“ fallen immer wieder bestimmte Objekte ein. Eines davon ist der Wassily Chair von Marcel Breuer. Dieser Sessel besteht aus Metallröhren und Lederstreifen – allesamt gestaltet in rechteckiger oder quadratischer Form. Die charakteristische Formgestaltung des Wassily-Chair ist zum Inbegriff des Bauhauses geworden.

Wer Bauhaus sagt, sagt zuallererst Geometrie, d.h. Form, aber auch Farbe und Funktion. Demnach liegen sämtlichen Objekten die drei Formen Quadrat, Dreieck und Kreis zugrunde, ihre Farbgestaltung geht auf die drei Grundfarben Blau, Gelb und Rot zurück und klare Formen paaren sich mit Funktionalität, für Schnörkel ist kein Platz – so lauten die grundlegenden Lehrsätze der wichtigsten deutschen Kunstschule des 20. Jahrhunderts. In den nur 14 Jahren ihrer Existenz – von der Gründung 1919 durch Walter Gropius in Weimar über den Umzug 1925 nach Dessau und 1932 nach Berlin bis zur Schließung 1933 durch die Nationalsozialisten – hat diese experimentelle Schule das Aussehen der modernen Stadt geprägt und ist heute nach wie vor Synonym für moderne Gestaltung.

Dem Bauhausprinzip des geometrischen Minimalismus beugt sich nun respektvoll auch der Leipziger Verlag E. A. Seemann, der zusammen mit der Stiftung Bauhaus Dessau das Buch Was ist das Bauhaus? Kinder entdecken das Bauhaus Dessau [AFFILIATELiNK] als Einführung für Kinder herausgegeben hat. Hier ist schon allein das Cover Programm, das eben quadratisch und in den Bauhaus-Farben daherkommt. Und das Nachdenken über Formen und Farben durchzieht das Buch wie ein roter Faden.

Auch schön gestaltete Alltagsgegenstände sollen der Idee dienen, die Welt schöner zu machen. © 2015 Stiftung Bauhaus Dessau, Christine Rösch

Auch schön und klug gestaltete Alltagsgegenstände wie Objekte des Haushalts sollten der Idee dienen, die Welt schöner und besser zu machen. © 2015 Stiftung Bauhaus Dessau, Christine Rösch

Ein Buch zum Suchen, Entdecken und Nachspüren

Das Leitmotiv des Buches ist das Warum: Warum ist es so und nicht anders? Und wie würde dieses Anders aussehen? „Einfach ausprobieren!“: Das war die Devise der Bauhäusler. Sich immer wieder aufs Neue erfinden! So besuchen im Buch die Geschwister Lotte und Max das Bauhaus Dessau in Begleitung ihres Vaters. Der ist Architekt und kann die Fragen seiner Kinder kompetent und anschaulich beantworten. Die beiden sind in dem Alter, in dem Kinder die Welt entdecken und ihre Eltern mit Fragen löchern. 50 Kinderfragen zielen darauf ab, uns mit den grundlegenden Ideen und Errungenschaften des Bauhauses bekannt zu machen und über deren Sinn und Funktion nachzudenken.

Hier einige der Fragen mit jeweils lapidarer Antwort: „Warum hat das Bauhausgebäude so viele Fenster?“ – Transparenz ist das Gebot der Stunde, jeder sollte sehen können, was hinter der Glasfassade, der „gläsernen Haut“ des Gebäudes, geschah. „Warum hängen die Heizkörper so weit oben an der Wand?“ – Eine eindrucksvolle Hommage an die Ästhetik der Technik, da wo einst die Bilder von Königinnen oder Prinzen hingen! „Warum haben die Bauhäusler Kaffeetassen und Lampen hergestellt?“ – „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ war ein primäres Anliegen der Bauhausschule: Auch die Armen sollten sich schöne Sachen leisten können. „Warum ist das Bauhaus-Dach flach und nicht spitz?“ – Ein Flachdach bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten, wie etwa Sternegucken, Feiern, Tanzen, Sporttreiben und vieles mehr. „Warum kommen immer noch so viele Leute hierher?“ – Wohl aufgrund der ungebrochenen Faszination des zeitlosen Designs und deshalb, weil das Bauhaus seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Und so weiter und so fort. Von den architektonischen Details des Bauhauses über die Gegenstände des Alltags bis hin zum Leben in der Gemeinschaft wird so ziemlich alles durchleuchtet und in kurzen, leichtverständlichen Texten kindgerecht erklärt, ohne kindisch oder belehrend zu werden.

Lotte und Max fragen ihrem Vater Löcher in den Bauch und so erfahren wir eine ganze Menge über das Bauhaus. © 2015 Stiftung Bauhaus Dessau, Christine Rösch

Lotte und ihr Bruder Max fragen ihrem Vater Löcher in den Bauch und so erfahren wir eine ganze Menge über das Bauhaus. © 2015 Stiftung Bauhaus Dessau, Christine Rösch

was ist das bauhaus? – Leben in der Gemeinschaft

Auf Schritt und Tritt macht uns das Buch klar, dass die Bauhaus-Bewegung kein wilder Haufen von abgehobenen Künstlern, eingebildeten Architekten und besserwisserischen Handwerkern war, die die Ästhetik der Formen und Farben in ihren Bann gezogen hatte. Diese Bildungsstätte war vielmehr eine Schmiede hochmoderner Ideen, die die Gesellschaft besser machen sollten: Wenn wir schöne Dinge herstellen, wird auch unser Umfeld schöner und besser, lautet sein Leitgedanke.

Demzufolge spielt sich in der Institution ein reges gemeinschaftliches Leben ab, in kleineren und größeren Gruppen, die sich durch die wechselnden Rollen im Alltag ständig aufs Neue bilden. Der große Baukörper mit den zahlreichen Anbauten ermöglicht zugleich kollektives Leben und Rückzug ins Private. Familienleben findet dort statt, wie sonstwo auch, Kinder wachsen dort auf wie überall. Eifrig und liebevoll wird für den Nachwuchs jede Menge kreatives Spielzeug entworfen. Und die Erwachsenen spielen munter und fröhlich mit. So gesehen trifft die Bezeichnung vom Bauhaus als „Kindergarten für Große“ voll ins Schwarze!

Das Bauhaus ist kein Elfenbeinturm, sondern beinhaltet gesellschaftliches Leben pur mit dem Ziel, eine bessere Welt zu bauen. © 2015 Stiftung Bauhaus Dessau, Christine Rösch

Das Bauhaus ist kein Elfenbeinturm, sondern beinhaltet gesellschaftliches Leben pur mit dem Ziel, eine bessere Welt zu bauen. © 2015 Stiftung Bauhaus Dessau, Christine Rösch

Das angestrebte Ziel, Kinder dazu zu bringen, sich selbst Gedanken zu machen über die Art und Weise, wie wir zusammen wohnen und leben können, hat das Buch nicht verfehlt. „Was ist das Bauhaus?“ stellt eine informative und zum Weiterdenken anregende Lektüre dar – für Kinder und Eltern zugleich!

Man kann das Kinderbuch „Was ist das Bauhaus“ für 12,95 EUR vor Ort im designshop Bauhaus Dessau erwerben oder im Online-Shop [affiliatelink]. Das Buch ist gebunden in Hardcover, im Quadratformat und enthält 56 Seiten mit 45 farbigen Illustrationen von der Berliner Grafikerin Christine Rösch. Die Texte sind von Ingolf Kern, dem ehemaligen Pressesprecher der Stiftung Bauhaus Dessau.

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All illustrations from © 2015 Stiftung Bauhaus Dessau, Christine Rösch. All rights reserved

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