Der Osterhase bringt‘s: XXL Daumenkino im TASCHEN Format

Wie auf Waldlichtungen ganze Hasenfamilien in Arbeitshosen Eier bemalen, die dann von ambulanten Langohren, bruchsicher verpackt, auf Kiepen ins Land getragen und heimlich im Forsythiengehölz und bei den Osterglocken versteckt werden, auf dass sie von jauchzenden Kindern gefunden würden – wen diese Anthropomorphisierung kalt lässt, der sollte auch um Walt Disney’s Children’s Classics einen Haken schlagen. Für alle anderen aber, also für Kinder von 0 bis 99 Jahren, ist das Buch aus dem TASCHEN Verlag ein willkommenes Hasenbrot, ein buntes Osterei. In einem kindgerechten Englisch kommen die literarischen Kinderklassiker daher, bevölkert von Tieren, die sprechen und handeln können wie Menschen. Frühlingserwachen bei Maulwurf und Dachs, Ratte und Kröte in den Adventures of Mr. Toad, Alices Reise durchs Wunderland, Dumbo, und die bekannteste Disney Geschichte überhaupt, die von Bambi, dem Rehkitz.

BAMBI. THAT’S A GOOD NAME

Im Disney-Dickicht kommt 1941 das goldige Rehkitz zur Welt: Bambi © TASCHEN Verlag

Im Disney-Dickicht kommt 1941 das goldige Rehkitz zur Welt: Bambi © TASCHEN Verlag

Im Mai setzt die Rehgeiß ihr Junges, vorzugsweise an einem Waldrand. Junge Bäume, Büsche und Sträucher bieten ein ideales Versteck für das Neugeborene. Sein rotbraunes Fell mit den weißen Punkten ist die perfekte Tarnung im Spiel der Sonnenflecken unter dem Blätterdach. Und ab hier ist Ende der Naturbeschreibung und es beginnt die Anthropomorphisierung. Mama Reh gibt ihrem Baby den Namen Bambi. Aus der Romanvorlage „Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde“ von Felix Salten behält Disney dessen meisterhafte Darstellung der Geräusche und Gerüche des Waldes, dem Spiel von Licht und Schatten, dem Grün der Blätter. Und Thumper, das Häschen, Flower, das Stinktier, Faline, das Rehkitz von Tante Ena sind genauso lieb geartet wie Bambi. Alles dagegen, was Bambi an Bösem widerfährt, bleibt draußen vor, weshalb auch ganz kleine Kinder diese Geschichte aus Walt Disney’s Children’s Classics mögen werden.

Immer guter Dinge: Klopfer, das Häschen, aus der Feder von Mel Shaw © TASCHEN Verlag

Immer guter Dinge: Klopfer, das Häschen, aus der Feder von Mel Shaw © TASCHEN Verlag

AT LAST SHE MET THE WHITE RABBIT HIMSELF

Gouache-Zeichnung von Al Dempster für das Cover von „Alice in Wonderland Meets the White Rabbit“, 1951 © 2025 Disney Enterprises, Inc.

Gouache-Zeichnung von Al Dempster für das Cover von „Alice in Wonderland Meets the White Rabbit“, 1951 © 2025 Disney Enterprises, Inc.

Ein Pandämonium an fantastischen Figuren bevölkert das Wunderland, in das Alice stürzt, immer dem weißen Hasen hinterher. In einer wilden Hatz folgt auf eine schräge Situation eine noch schrägere. Mal zaubert sich Alice mauseklein, dann wieder größer als ein ganzes Haus. Blumen und Tiere, selbst die Spielkarten sprechen und haben einen Charakter. Zugegeben: meist einen fiesen. Unverzichtbar für kleinere Kinder sind deshalb die knuffigen Illustrationen, da sie dem Bedrohlichen doch etwas die Spitze nehmen. Und selbst als Erwachsener ist man beim Lesen von Alice in Wonderland dankbar für jedes Bild in der Walt Disney Ausgabe, weil es der Vorstellungskraft in dieser überbordenden Schnitzeljagd der Fantasie ein wenig Halt und Orientierung gibt. Ein wenig wie der weiße Hase, der immer dann auftaucht, wenn Alice den Überblick zu verlieren beginnt.

Alice was growing tired, listening to her sister read … Titelseite aus “Alice in Wonderland”, 1951 © 2025 Disney Enterprises, Inc.

Alice was growing tired, listening to her sister read … Titelseite aus “Alice in Wonderland”, 1951 © 2025 Disney Enterprises, Inc.

A MOTOR CAR! A MOTOR CAR! I’VE GOT TO HAVE A MOTOR CAR!

Ein Gentleman im Geschwindigkeitsrausch: 1949 erscheint „The Adventures of Mr. Toad“ mit Illustrationen von Jon Hench © 2025 Disney Enterprises, Inc.

Ein Gentleman im Geschwindigkeitsrausch: 1949 erscheint „The Adventures of Mr. Toad“ mit Illustrationen von Jon Hench © 2025 Disney Enterprises, Inc.

Ja mei, er fährt halt gern schnell und riskant, der Mr. Toad. Als junger Mann von Familie und mit einigem Vermögen im Hintergrund kann er sich das leisten. Wird dafür eine Geldstrafe fällig, zahlt die reiche Kröte das aus der Portokasse. Und das gerade geschrottete Fahrzeug wird gleich wieder durch ein neues, schnelleres ersetzt. Das Erbe von Toad Hall trägt’s. Seine Freunde Water Rat (Wasserratte), Mole (Maulwurf) und MacBadger (Dachs) haben ihre liebe Not, Toads Geschwindigkeitsräusche sozialverträglich einzuhegen. Doch was dieser impertinente Kröterich auch anstellt – Ratte, Maulwurf und Dachs halten stets zu ihm, in unverbrüchlicher Treue. Wie es sich für echte Gentlemen gehört. The Adventures of Mr. Toad, nach dem Roman „The Wind in the Willows“ von Kenneth Grahame, vereint das Beste, was das alte England hervorgebracht hat: spleenigen Innovationsdrang und Hängen am Althergebrachten, high speed und Tweedsakko.

Old England Vibes auf Toad Hall: die imposante Titelseite aus “The Adventures of Mr. Toad”, 1949 © 2025 Disney Enterprises, Inc.

Old England Vibes auf Toad Hall: die imposante Titelseite aus “The Adventures of Mr. Toad”, 1949 © 2025 Disney Enterprises, Inc.

HIS HEART WAS AS BIG AS HIS MAGICAL EARS

Walt Disney liest aus dem Little Golden Book “Dumbo” während einer Werbeaufnahme für „Lady and the Tramp“ © 2025 Disney Enterprises, Inc.

Walt Disney liest aus dem Little Golden Book “Dumbo” während einer Werbeaufnahme für „Lady and the Tramp“ © 2025 Disney Enterprises, Inc.

Am Ende wird alles gut für Dumbo, den fliegenden Zirkuselefanten: Sein Mäusefreund Timothy handelt einen super Arbeitsvertrag für ihn aus, mit einem guten Salär und sogar einer Rente für Dumbos Mama. Aber bis es so weit ist, geht es dem kleinen Elefanten richtig dreckig. Warum muss er auch so abnorm große Ohren haben, Ohren groß wie Segel? Ohren, die so groß sind, dass er sich beim Laufen darin verheddert? Damit ist ihm ein qualvolles Dasein als Außenseiter unter den Zirkustieren in und außerhalb der Manege vorgezeichnet. Wenigstens hält seine Mama stets zu ihm und in der Maus Timothy trifft er einen findigen Kopf, der ausgerechnet die riesigen Ohren in den Booster für eine glanzvolle Zirkuskarriere verwandelt. Nicht als Lachnummer, sondern mit ernstzunehmender, Aufsehen erregender Akrobatik wird Dumbo schließlich zum Namensgeber für die ganze Zirkustruppe, „Dumbo’s Flying Circus“.

Immer noch eine große Nummer: der Disney-Klassiker „Dumbo“ aus der Feder von Dick Kelsey © TASCHEN Verlag

Immer noch eine große Nummer: der Disney-Klassiker „Dumbo“ aus der Feder von Dick Kelsey © TASCHEN Verlag

MIT TASCHEN IN DIE TRAUMFABRIK: DIE DISNEY-KLASSIKER UND IHRE SCHÖPFER

Es gibt im Walt Disney’s Children’s Classics Buch aus dem TASCHEN Verlag noch mehr Geschichten als die vier hier vorgestellten. Davon ist nur die Dumbo-Story Disneys ureigenes Produkt, alle anderen Geschichten stammen von Verfassern aus der ganzen Welt und waren schon Klassiker, bevor Disney sie für sich entdeckte. Allen gemeinsam ist, dass sie als Erzählungen auf Grundlage der Filme an Deutlichkeit hinzu gewonnen haben. Was jedoch der Imagination des Lesers erst richtig auf die Sprünge hilft, sind die Illustrationen. Hier wird Disney’s Künstlertruppe so leicht keiner das Wasser reichen. Wer mehr über die Geschichte der Disney-Klassiker, ob auf der Leinwand oder in Buchform, wissen will, kann in der Einleitung und in den abschließenden Kapiteln „About the Stories“ und „Artists Biographies“ einen gleichermaßen unterhaltsamen wie informativen Blick hinter die Kulissen der Walt Disney Traumfabrik tun.

Traumjob in der Traumfabrik: Die Animatorin Retta Scott Worcester beim Skizzieren in den Disney Studios, 1939. © 2025 Disney Enterprises, Inc.

Traumjob in der Traumfabrik: Die Animatorin Retta Scott Worcester beim Skizzieren in den Disney Studios, 1939. © 2025 Disney Enterprises, Inc.

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Second, Third, Ninth and Tenth Image (Book Cover) by © Taschen Verlag; All other Images by © 2025 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

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