Ich will Spiel, will Musik und Tanz

„Die Musik hat das Schönste der Naturtöne gesammelt und veredelt, sie hat sich Instrumente gebaut, aus Metall und Holz, und der Mensch kann nun willkürlich eine Schar von singenden Geistern erregen, sooft er will.“ Mit diesen Worten hat der Romantiker Wilhelm Heinrich Wackenroder die musikalische Erziehung als die Wahrnehmung, das Erleben und das Nachahmen der Klänge und Geräusche, die in der Natur vorhanden sind, umschrieben.

Musica e Gioco, Spiel und Musik

So sieht's aus, wenn man mit der Natur Musik macht!

So sieht’s aus, wenn man mit der Natur Musik macht!

Genau dieser Grundgedanke steht nun hinter dem Projekt „Musica e Gioco“, welches von den beiden italienischen Musikpädagogen Danilo Mineo und Pasquale Mirra aus Bologna ins Leben gerufen wurde: Ein musikalisches Lernprojekt, das den Umweltgedanken mit Musik verbindet, die Kreativität anregt, die Gedanken beflügelt, die Fähigkeit zum aufmerksamen Hören verfeinert – all dies ist „Musica e Gioco“, Spiel und Musik.

Das modular aufgebaute Musikprojekt ist in erster Linie für Grundschulkinder gedacht, lässt sich aber durchaus bis hin zur Mittelstufe weiter ausbauen. „Musica e Gioco“ spricht aber auch Erwachsene an und bietet ihnen interessante musikalische Erlebnis- und Erfahrungsmöglichkeiten.

Musikalische Erziehung: so funktioniert’s

Musikalische Erziehung in Reinform: Kleiner Percussionist ganz groß!

Musikalische Erziehung in Reinform: Kleiner Percussionist ganz groß!

Danilo Mineo, Percussionist, und Pasquale Mirra, Vibraphonist, spielen und unterrichten seit eh und je mit viel Enthusiasmus und missionarischem Eifer. Sie können gut mit Kindern und haben sowohl Erfahrung in der Führung professioneller Ensembles als auch von Laienmusikgruppen. In „Musica e Gioco“ fließen diese Erfahrungen zusammen.

Die beiden Musikpädagogen haben ein Gesamtkonzept für die musikalische Erziehung in der Grundschule erarbeitet. Es beginnt mit dem Kennenlernen der Musikinstrumente: „Wir führen den Kindern Instrumente aus aller Welt vor, die wir selbst gesammelt haben, wir erklären deren Entstehung, wie man sie spielt und wie man sie in ihren Herkunftsländern einsetzt“, erzählt Danilo Mineo. „Die Kinder beobachten, probieren den Klang aus und kriegen schließlich ganz von alleine raus, was das Instrument noch für Möglichkeiten hat.“

Dann geht man zur Gestaltungsphase über, in der man bevorzugt Abfallmaterialien einsetzt, um ein neues Instrument zu entwerfen, das ähnliche Eigenschaften wie das Vorbild aufweist. „Viele Percussion-Instrumente sind entstanden, indem man getrocknete Blätter, Stöckchen, Muschelschalen kreativ verwendet hat“, erklärt Pasquale Mirra. „Wir wollen dieses Prinzip auf unser Projekt übertragen, indem wir die Kinder dazu anregen, aus alltäglichen Materialien Musikinstrumente zu bauen: Kronkorken, Pizza-Kartons, alte Besenstiele.“

Das folgende Video zeigt, wie aus Abfallmaterial ein Percussion-Instrument kinderleicht hergestellt werden kann …

Spiel und Musik, freude statt Drill

Ganz Ohr sind die kleinen Musiker, wenn Pasquale erklärt.

Ganz Ohr sind die kleinen Musiker, wenn Pasquale erklärt.

Das Miteinander in der Gruppe läuft hervorragend und was dabei an Instrumenten herauskommt  ist vielfältig, vergnüglich und voll funktionsfähig. Im dritten Teil des Projekts führen die Kinder eine Musikkomposition mit den selbstgebauten Instrumenten auf. Und so schließen sie ihr musikalisches Experiment ab, indem sie damit vor Publikum auftreten. Die Leitung übernehmen selbstverständlich die beiden Musiklehrer.

„Musica e Gioco“ ist ein Projekt, bei dem die Kinder den Entstehungsprozess von Musik von Grund auf lernen, beginnend mit dem Hören von Klängen und Rhythmen, dem Wunsch, diese nachzuahmen, bis hin zum Bau der Instrumente und ihrer Verwendung in einer musikalischen Aufführung.

Anders als bei einer herkömmlichen musikalischen Ausbildung, wo Kinder einem harten Drill unterworfen werden, steht ausdrücklich die Freude des Kindes an Rhythmus und Klang im Vordergrund. Niemand soll hier zu etwas gezwungen werden: Viva la musica!

Spiel, Musik und Tanz: Ausdrucksformen, die verbinden

Urknäuel? Urknall? Jdenfalls laut und rund!

Urknäuel? Urknall? Jdenfalls laut und rund!

Die Erfahrungen aus diesen vielen Veranstaltungen sind inzwischen zu einem einzigartigen Handbuch herangereift, mit dem Titel „Musica e Gioco. I linguaggi che uniscono“, „Spiel und Musik. Ausdrucksformen, die verbinden“.

Das Handbuch enthält zunächst eine Übersicht über die verschiedenen Instrumentenfamilien, d.h. die Familie der Streichinstrumente, der Holz- und Blechblasinstrumente, der Tasteninstrumente usw. Dann kommen der spielerische Umgang mit Musik sowie detaillierte Anleitungen und Illustrationen zum Bau von umweltfreundlichen Instrumenten aus Abfallmaterialien.

Zum Buch gehört außerdem eine Audio CD, mittels derer man sich in die verschiedenen Klänge und Rhythmen der selbstgebauten Instrumente einhören kann.

Der Workshop „Musica e Gioco“ ist bereits vielfach durchgeführt worden, u.a. in Schulen der norditalienischen Region Emilia Romagna, auf dem Festival von Ravello an der italienischen Amalfiküste in Kampanien, auf dem Internationalen Festival „Isole che parlano“ (Sprechende Inseln) in Palau an der Costa Smeralda in Sardinien, in zahlreichen städtischen Büchereien und an weiteren Orten.

Zwei Personen suchen einen Verleger

Die beiden Autoren suchen allerdings noch nach einem deutschen Verleger für ihr Handbuch: Die Rechte für den deutschen Markt sind noch zu vergeben. Es haben sich inzwischen einige Interessenten gemeldet. Sollten auch Sie daran Interesse haben, beeilen Sie sich! Senden Sie bitte Ihre Anfrage direkt an MILAN Magazine.

Affiliate

All images and video © Danilo Mineo and Pasquale Mirra
Translation from Italian by Monika Milan

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